Alle Beiträge von Lucy

Trari! Trara!

Die Post hat eine neue Kampagne gestartet: um die Zahl der transportierten Briefe zu steigern, werden nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Briefe und Pakete (siehe hier) einfach an den Absender zurückgeschickt. Jüngst landete so auch ein für mich bestimmter Brief wieder im Briefkasten des Absenders. Der Grund: Der Empfänger konnte unter der angegebenen Anschrift nicht ermittelt werden.

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Im vorliegenden Fall hatte der Absender die Post tatsächlich vor ein kniffliges Problem gestellt, das sicher einige Ermittlungsarbeit erfordert hat: Straße, Hausnummer, Postleitzahl und Stadt waren völlig korrekt, doch bei meinem Nachnamen fehlte der letzte Buchstabe. Es war am Ende harter Investigation unmöglich aus „Anja Leender“ „Anja Leenders“ als korrekten Empfänger festzustellen.

Interessanterweise finden Werbeschreiben an Frau „Lender“, „Leanders“ oder „Linders“ immer den Weg in meinen Briefkasten. Am Samstag hab ich mich via Internetseite bei der Deutschen Post beschwert und erhielt zeitnah innerhalb von 24 Stunden (heute) eine Antwort – per Brief, wegen der Quote.

Darin schreibt mir der Kundenservice BRIEF:

„Die Verärgerung über die Rücksendung des für Sie bestimmten Briefes verstehen wir gut.“

Ist das nicht toll? Ein Kundenservice mit Verständnis. Davon hab ich ja viel…

Aber weiter heißt es: „Wir haben die Betriebsleitung in Bochum informiert, damit der betreffende Zusteller auf den Fehler aufmerksam gemacht wird, denn auch wir wollen, dass er künftig die für Sie bestimmten Briefe wieder ordnungsgemäß in Ihren Briefkasten einlegt.“

Mir ist nicht ganz klar warum der Kundenservice das gleiche Interesse daran hat, dass meine Briefe bei mir ankommen, wie ich, aber der Einsatz ist löblich. Der Zusteller bekommt nun eine Rüge – hoffentlich tritt er nicht aus der Post aus!

Leider ist das Ende des Briefes wieder niederschmetternd:

„Sie können sicher sein, dass wir künftig alles daran setzen, Ihnen wieder die gewohnte Qualität zu bieten.“

Gewohnte Qualität…danke.

Den Satz merk ich mir direkt für meine Arbeit.

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Félicitations & shìshì rúyì!

Seit 1962 ist Tours an der Loire (Frankreich) Partnerstadt von Mülheim an der Ruhr (Ruhrgebiet).  Tours hat ca. 137.000 Einwohner, eine Oper, ein Symphonieorchester, eine Universität, eine Kathedrale, ein Kloster. Die Region Tours ist bekannt für ihre Weine.

Der Bürgermeister von Tours heißt Jean Germain und dieser versucht seine Stadt mit einer besonderen Idee in China zu vermarkten: Heiraten in Frankreich.

Für 3000 Euro pro Paar kann ein Hochzeitspakt gebucht werden, das unter anderem eine Hochzeitszeremonie beinhaltet. So gaben sich vor Kurzem 40 chinesische Paare in Tours nocheinmal das Ja-Wort.

Hier gibt es einen kleinen Bericht darüber zu sehen:

Besondere Aufmersamkeit ist der Szene nach dem Hochzeitskuss zu schenken, in der der Bürgermeister ein paar Worte sagt. Im Hintergrund wird romantische Musik gespielt, oder? Perfekt gewählt für eine Hochzeit?

Bei genauem Hinhören erkennt man „Yesterday“ von den Beatles. Da scheint es als würden die französischen Gastgeber die chinesischen Paare für ihren romantisch verklärten Blick auf Frankreich, die Liebe und die Ehe verhöhnen:

„Yesterday, all my troubles seemed so far away,

now ist looks as though they’re here to stay…“

Herzlichen Glückwunsch!

Who is who

Beim Aufräumen habe ich ein paar alte Fotos gefunden, oder? Vielleicht kommt euch das eine oder andere Gesicht ja auch bekannt vor?

Yearbook

So hätten wir aussehen können, damals!

In Portraitaufnahmen von 1950-2000 lässt sich ganz leicht das eigene Foto (oder das von Freunden, die einem nicht böse sind für einen kleinen Spaß) einfügen: www.yearbookyourself.com ist ein munterer Zeitvertreib für trübe Tage!

Aber Vorsicht, da kann auch schon mal ein ganzer Sonntag für draufgehen!

Fitness

Plötzlich sind alle Leute um mich herum in irgendwelchen Fitnessstudios angemeldet. Wieder eine Trendwelle, die an mir vorüber geschwappt ist. Bei meiner morgendlichen Yogaübung* habe ich tief in mich gehört, aber da ist auch kein verborgener Wunsch nach Fitnessstudio oder Sportkursen.

Wieder ein „Nicht“ mehr in meinem Lebenslauf:

Lucy, 29, Nicht-Deutsche, Nicht-Mutter-von-Nele-Sophie, Nicht-Zungenroller, Nicht-Raucher, Nicht-e und Nicht-Fitnessstudio-Mitglied.

* Kaffee trinken im Schneidersitz auf dem Schreibtischstuhl

Mein erster Tag

Meinen ersten Tag als Alumnase – zur Zeit noch ohne Abschluss, also mit Glückwünschen noch zwei Wochen warten – hab ich mit Kaffee trinken im Bett und Lesen begonnen. Gegen 10 Uhr bin ich langsam aufgestanden, um in unserer strahlenden Küche zu frühstücken. Über einen Mangel an Gemütlichkeit im nicht-studentischen Alltag kann ich mich also nicht beschweren.

Am nachmittag habe ich Judith, Marco und Lukas  in Kettwig besucht. Wir waren spazieren und haben Waffeln gegessen. Somit fehlt es ebenfalls nicht an sozialen Kontakten und Unternehmungen.

Der zweite Alumnasetag ist ebenfalls schon gut verplant. Zunächst steht ein Besuch bei Ikea auf dem Programm, dann geht’s nach Gelsenkirchen und abends nach Hattingen zu einem Konzert von Mando Diao.

Meine Hauptsorge, dass alles teurer wird, hat sich bisher auch nicht bestätigt: Thorsten hat die Konzertkarten gewonnen.

Mein letzter Tag

Plötzlich ist er da, der Tag an dem mein Studententum endet. Ab morgen ist mein Leben als Studentin vorbei.

Diese Woche muss ich nicht arbeiten, Zeit genug den Tag mit spannenden Dingen zu füllen.

Zunächst schnappte ich mir Kunststoffreiniger und  Scheuermilch und machte mich daran, die Küchenzeile zu reinigen. Zwischendrin stellte ich fest, dass wir im Keller eine Überschwemmung verpasst hatten und schrubbte „mal eben“ den Schlamm weg.

Nach getaner Arbeit kam spontan Yvonne vorbei, die mein Schicksal teilt und ab morgen exmatrikuliert ist, allerdings mit Diplom.

Der Tag endete feierlich mit Tequila Sunrise und dem Fazit, dass ich im Laufe der 12 Semester Studium sicher mehr gelernt habe, als mir bewusst ist. Außerdem kann das Essen von zu viel Pekanüssen zu einer Selenvergiftung führen.

Die Römer und die Ampelzwerge

Es begann vor ein paar Tagen mit einem typisch römischen Kundschafterballon. Ganz langsam schwebte er über die Kreuzung und dann übers Hausdach hinweg.

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Jetzt sind sie da, die Römer. Sie haben schon ihr Zelt und ihr Hütchenspiel auf der Kreuzung aufgebaut.

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Mittlerweile haben sie alle Ampeln mit Pappe verdeckt. Meine Vermutung ist, dass sie irgendwas mit den Zwergen vorhaben, die in den Ampeln für die korrekte Beleuchtung sorgen.

Bei dem Regen würd ich glatt vermuten, dass die Ampelzwerge einen Kurs für „korrekte Ampelschaltung bei Unwetter“ machen müssen, oder einen  Schwimmkurs.

Aus Stein

Mir tut alles weh. Ich hab das Gefühl ich bin seit Tagen mit dem Schreibtischstuhl verwachsen. Meine Ellbogengelenke schmerzen, vom Aufstützen. Mein Körper knackt bei jeder Bewegung, auch an Stellen, deren Knackfähigkeit mir bisher unbekannt war. Die Lösung liegt auf der Hand: Ich werde zu Stein.

Je länger ich mich nur zwischen Bett, Bad, Küche und Schreibtisch bewege, desto schlimmer wird es. Bald werde ich selbst diese Wege nur noch eingeschränkt zurücklegen können und dann, in ein paar Tagen, bleibe ich einfach sitzen, weil das Aufstehen zu viel Kraft kostet.

So werdet ihr mich finden: versteinert im Schreibtischstuhl, die Finger auf der Tastatur verkrümmt, der steinerne Blick ist kritisch auf den Bildschirm gerichtet und dort flackert die Geschichte bisheriger Finanzverfassungsreformen in ihrer vollkommenen Unvollendetheit.