Wer sich nicht wehrt, unterliegt dem Herd

Als wir vor anderthalb Jahren umgezogen sind, fiel mir die Trennung von meinem Gasherd schon sehr schwer. Aber was hätte uns der Gasherd in der neuen Wohnung gebracht, ohne Gasanschluss?

Seit dem Umzug koche ich also auf schnöden Herdplatten, die auch noch irgendwie schief sind. Der Ofen heizt gut, gerne auch mal kräftiger als gedacht und nur mit Ober- und Unterhitze. „Mit der Zeit gewöhne ich mich schon dran“, habe ich gedacht, „schließlich bin ich anpassungsfähig.“

Doch in diesem Fall lag ich wohl falsch. Noch immer landet Fleisch in der kalten Pfanne und Gebäck wird im Ofen schwarz. Für mich steht fest, diese Beziehung hat keine Zukunft. Die Luft ist raus, der Ofen ist aus – Zeit für einen neuen Herd und einen neuen Ofen!

Bisher habe ich die Elektrogeräte immer mit der jeweiligen Küche übernommen, also ist dies eine Premiere: mein erster Herdkauf. Nach Kühlschrank und Waschmaschine eine neue Kaufherausforderung.

Also los: informieren, vergleichen, entscheiden.

Ausgangslage: gerne ein Induktionskochfeld, aber auf keinen Fall mit Touch Bedienung, damit hat man nur Theater. Ich möchte Drehknöpfe. Anforderung an den Ofen: Ober- und Unterhitze und Umluft.

Umluft? Gibt es nicht mehr. Heute hat ein Ofen 3D Heißluft.

Und Backwagen, d.h. dass die Tür nicht aufgeklappt wird, sondern aufgezogen, wie eine Schublade. Total unpraktisch für 2 Bleche. Also direkt obenstehende Liste ergänzt: gerne mit Teleskopauszug, auf keinen Fall mit Backwagen.

Das größte Problem für Backofenbesitzer scheint außerdem die Reinigung zu sein. Man wischt den Ofen nicht mehr aus – die Zeit kann man sich sparen. Dafür gibt es die Pyrolyse-Selbstreinigung oder zumindest eine EcoClean-Leichtreinigungsbeschichtung.

Ohne viel Technik geht nichts mehr. Das Klartext Display: „Die benutzerfreundliche Dialog-Elektronik bietet eine interaktive Benutzerführung mit einer Vielzahl an AutoPilot Programmen. Geräte mit Klartextanzeige zeichnen sich mit bis zu 30 wählbaren Sprachen aus.“ Wahnsinn, 30 Sprachen Klartext – Schluss mit dem Ofenkaudawelsch!

Ganz super ist die Programmautomatik „Autopilot“: „Sie müssen nur noch das Gargut einlegen und das passende der bis zu 68 Zubereitungsprogramme auswählen“ (Bosch Prospekt). Bitte wie? Ich „programmiere“ den Backofen auf „Pizza“ und muss dann nicht mehr selber auf 200 Grad einstellen?

„Mit der Infotaste sind zusätzlich zur Temperatur Hinweise auf geeignetes Geschirr oder Zubehör und Beispiele für verschiedene Gerichte aufrufbar.“ Wozu? Wer braucht denn sowas? Oje.

Ergänzung der Anforderungen: Ich möchte Herd und Ofen, die tun was ich einstelle. Ich möchte keine Vorschläge, keine Diskussion und keine Einmischung. Keinen Autopiloten, keine Superreinigung, keinen Sprachkurs, keine Topfempfehlung, keine Temperaturvorgaben. Eine Uhr, okay. Von mir aus auch noch einen Timer. Aber das reicht.

Ich frage mich, ob es so etwas überhaupt noch gibt. Vielleicht sollte ich nach einem neuen Herd direkt in einem Antiquitätengeschäft suchen?

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